Familien im Fokus: Die Versorgung kleiner und kranker Neugeborenen in Ghana entlang des Versorgungspfads
Ein Forschungsteam aus Ghana und der Schweiz arbeitet seit fast einem Jahrzehnt in der Region Hohoe an der familienzentrierten Versorgung von Neugeborenen.

Seit fast einem Jahrzehnt arbeiten wir, ein Forschungsteam aus Ghana und der Schweiz, mit Hebammen, Pflegefachpersonen und Ärzt:innen in der Region «Hohoe» in Ghana zusammen. Im Fokus steht die Versorgung kleiner und kranker Neugeborener von der Schwangerschaft über die Spitalversorgung bis hin zur häuslichen Pflege.
Zu Beginn führten wir im Jahr 2016 eine Studie durch, um zu verstehen, wie Mütter in der Region Hohoe ihre Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht (unter 2’500 Gramm) nach der Entlassung zu Hause versorgen. Die Studie zeigte Lücken in der Versorgung — und dass die Mütter sich eine kontinuierliche, in der Schwangerschaft beginnende Beratung zur Neugeborenenpflege wünschen. In einer weiteren Studie im Jahr 2021 interviewten wir Mütter, ihre wichtigsten Familienangehörigen und Vertreter:innen des Gesundheitswesens auf verschiedenen Versorgungsebenen. Familien wünschten sich, von der Schwangerschaft über die Geburt bis nach der Entlassung nach Hause in die Versorgung einbezogen zu werden.
Lange Wartezeiten in den Kliniken, berufliche Verpflichtungen und finanzielle Schwierigkeiten hielten Familienmitglieder, insbesondere Männer, häufig davon ab, an den Schwangerschaftsuntersuchungen teilzunehmen und während den Spitalaufenthalten präsent zu sein. Gesundheitsfachpersonen fehlten die Fertigkeiten, die Familien strukturiert in die Pflege miteinzubeziehen.
Ein achttägiges familienzentriertes Schulungsprogramm
Um diese Lücken zu schliessen, entwickelten wir ein achttägiges familienzentriertes Schulungsprogramm. Wir führten die Schulung mit Gesundheitsfachpersonen aus dem Spital und den gemeindebasierten Kliniken durch, die Neugeborene und ihre Familien betreuen. Die Schulung vermittelte Kompetenzen zur systemischen Kommunikation und zur Einbindung der Familien über den gesamten Versorgungspfad hinweg. Zudem war eine Familie an der Schulung dabei, wodurch Einblicke in eine familiensystemische Gesprächsführung und eine sinnvolle Einbeziehung der Familien vermittelt werden konnten.
Wir befinden uns derzeit in der letzten Phase unseres Projekts, in der die geschulten Gesundheitsfachpersonen acht Familien von der Schwangerschaft bis sechs Wochen nach der Entlassung ihrer Neugeborenen begleitet und die verschiedenen Gespräche aufgezeichnet haben. Dieser Teil des Projekts untersucht, wie Familien die Gespräche mit Gesundheitsfachpersonen in verschiedenen Phasen der Versorgung erleben und wie die Interaktionen ablaufen. Das Ziel ist, den Dialog fortzusetzen, die familienzentrierte Versorgung regelmässig gemeinsam zu reflektieren und die Übergänge zwischen den Institutionen und zu Hause weiter zu stärken.
Forschungsteam: University of Health and Allied Sciences, Hohoe, Ghana; Volta Regional Hospital, Hohoe, Ghana; Dodowa Health Center, Ghana; Universität Genf; Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Autorin des Blogbeitrags: Christina Schuler, ZHAW).


