Hernien und Hypospadien — Unser Weg
Geboren bei SSW 30+5 mit 1020 Gramm — dann die Diagnosen beidseitige Leistenbrüche und schwere Hypospadie. Wie uns der Austausch mit Betroffenen durch zwei Operationen trug.

Als unser Sohn im Februar 2023 in der 30+5 Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von 1020 Gramm und einer Grösse von 35 cm zur Welt kam, ahnten wir noch nicht, welche Herausforderungen und Operationen vor uns liegen würden. Die sieben Wochen auf der Neonatologie waren schwer und geprägt von vielen Höhen und Tiefen. In der zweiten Lebenswoche erhielten wir eine weitere Schocknachricht: Unser Kind hat vermutlich beidseitige Leistenbrüche, die operativ behoben werden müssen. Nach der Verlegung in ein anderes Spital stellte man fest, dass unser Sohn möglicherweise zusätzlich eine Fehlbildung am Penis hat — eine sogenannte Hypospadie.
Eine Hypospadie beschreibt eine Fehlmündung der Harnröhre, eine Verkrümmung des Penisschaftes sowie eine atypische Vorhaut. Das Fachpersonal nahm sich viel Zeit, um uns ausführlich aufzuklären. Schliesslich wurde bei unserem Sohn eine schwere Hypospadie diagnostiziert. Nach sieben Wochen wurden wir gut informiert nach Hause entlassen.
Austausch mit Betroffenen
Wieder zu Hause, liess uns das Thema Hypospadie nicht los. Glücklicherweise wurde uns über Frühchen & Neokinder Schweiz eine Kontaktperson vermittelt, deren Sohn ebenfalls an einer Hypospadie litt. In zahlreichen Sprachnachrichten tauschten wir uns aus. Es war ein beruhigendes Gefühl, nicht allein zu sein und eine Vorstellung davon zu bekommen, was auf uns zukommen könnte.
Als unser Sohn korrigiert drei Monate alt war, erhielten wir den Termin für die Leistenbruch-Operation. Obwohl die Operation als Standard-OP galt, war wegen der beidseitigen Hernie unklar, ob beide Seiten in einer Sitzung operiert werden könnten. Glücklicherweise wurden beide Seiten erfolgreich behandelt, und eine zweite Operation war nicht nötig. Bereits am nächsten Tag durften wir nach Hause.
Vorbereitung auf die Hypospadie-Operation
Da für den Erfolg der Hypospadie-Operation laut Studien eine bestimmte Mindestgrösse des Penis vorteilhaft ist, wurden wir parallel zur urologischen auch in die endokrinologische Sprechstunde überwiesen. Da unser Sohn knapp über der empfohlenen Grösse lag, entschieden wir uns gemeinsam für die Gabe von zwei Testosteron-Spritzen — eine Entscheidung, die sich wenige Wochen später als richtig erwies. Wegen der schweren Hypospadie stellten wir uns auf zwei Operationen ein: In der ersten sollte die Harnröhre provisorisch verlegt und in einer zweiten vollständig korrigiert werden.
Die Hypospadie-Operation
Mit korrigiert neun Monaten fand die Hypospadie-OP statt — vier Tage vor seinem ersten Geburtstag. Nach etwa dreieinhalb Stunden erhielten wir den erlösenden Anruf: Die Hypospadie war weniger schwerwiegend als angenommen, sodass nur eine einzige OP nötig war. Nach zwei Nächten im Kinderspital und ohne Komplikationen durften wir nach Hause; wir lernten den Umgang mit dem Katheter und dem Doppelwindel-System. Zwei Monate später bestätigte die Ärztin, dass die Hypospadie vollständig behoben war.
Wir sind sehr dankbar, dass unsere anfänglichen Ängste im Laufe der Zeit abnahmen und beide Eingriffe komplikationslos verliefen. In diesem Zusammenhang möchten wir andere Eltern ermutigen, den Austausch mit Betroffenen zu suchen — uns hat dieser Kontakt sehr geholfen und unser Selbstvertrauen bei den bevorstehenden Entscheidungen gestärkt.