Aller au contenu
Alle Geschichten
Sehr unreife Frühgeborene · SSW 28–30

SSW 30+0

Erfahrungsbericht einer Frühchen-Mama · 16.10.2022

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 30+0» (Bild 1)

Schwangerschaft

Nach langer Kinderwunschzeit (5 Jahre ohne Kinderwunsch Klinik und Medikamenten) durfte ich im Januar 2020 positiv testen. Die Schwangerschaft verlief bis zur 29 SSW komplikationslos. Da ich vor hatte im Geburtshaus zu entbinden war ich alle 4 Wochen bei meiner Hebamme und alle 4 Wochen bei meiner Frauenärztin. (Alle 14 Tage hat mich das Fachpersonal gesehen). Beim letzten grossen Ultraschall viel auf das mein Baby (wir haben uns mit dem Geschlecht überraschen lassen) seine Wachstumskurve verlassen hatte, das hatte meine Hebamme 2 Wochen vorher beim tastbefund auch gemeint, dass das Kind kleiner wirkt als die SSW. Beide meinten aber gleich kein Grund zur Sorge, manche Kinder haben erst ein paar Tage später ihren Wachstumsschub. Meine Frauenärztin meinte um alles richtig im Blick zu haben soll ich mich bei der Pränataldiagnostikerin vorstellen, da sie die Versorgung von der Plazenta genauer einschätzen kann, nur um sicher zu gehen das da alles in Ordnung ist, ich sollte mir da aber nicht zu grosse Sorgen machen. 3 Tage später hatte ich dort bereits den Termin. Der Termin war sehr emotional, nach mehreren langen Ultraschalluntersuchungen meinte die Ärztin das die Plazenta stark verkalkt ist und die Versorgung von meinem Baby nicht mehr so gut ist und wir versuchen die SS für 2 Wochen aufrecht zu erhalten. Ausserdem meinte sie das der Oberarmknochen auffällig sei und das Nasenbein sehr markant sei. Was auf verschiedene Erkrankungen hinweisen kann. Mir wurde förmlich der Boden unter den Füssen weggezogen. Ich hatte nie einen Gedanken daran verschwendet das mein Kind krank sein könnte oder zu früh auf die Welt kommen könnte. Die Pränatalärztin hat dann einen Satz zu mir gesagt der mir geholfen hat: "Zwischen gesund und krank ist eine Menge Platz".

Geburt

Kaum zuhause angekommen bekam ich einen Anruf von meiner Frauenärztin, dass die Blutwerte die bei der letzten Vorsorgeuntersuchung abgenommen wurden auffällig seien und ich heute noch in das Spital fahren soll um diese kontrollieren zu lassen. Mein Mann und ich sind dann direkt in das Spital gefahren. Leider musste ich wegen Corona allein rein. Es folgten wieder einige Ultraschall-Untersuchungen und Blutuntersuchungen. Irgendwann durfte mein Mann doch zu mir. Dann ging es schnell, ichbekam noch eine Lungenreifungsspritze und dann gings in den OP. Nach einem kurzen Aufschreien wurde mein Baby direkt in den Nebenraum gebracht. Die Anästhesistin konnte mir noch nicht mal sagen ob wir einen kleinen Jungen oder ein Mädchen haben. Nach einiger Zeit kam eine Hebamme und zeigt mir und meinem Mann ein Bild von unserem Sohn. Mattheo kam genau bei 30+0 mit 870g zur Welt

«Versucht euer Schicksal anzunehmen und dankbar zu sein, dankbar für die medizinische Versorgung und für jeden Tag an dem euer Kämpfer lebt.»

Zeit auf der Neonatologie

Nach der Geburt kam es im Aufwachraum zum ersten Treffen. Mattheo war für einige Stunden intubiert danach am C-Pap und Highflow für kurze Zeit. Am nächsten Morgen fand das erste Gespräch mit der Kinderärztin statt. Sie sagten das Mattheo Hirnblutungen 2 und 3. Grades, wahrscheinlich schon im Mutterleib, erlitten hat. Ich fühlte mich so schlecht, schuldig das die SS so aprubt geändert hat und mein Baby, welches ich noch nicht mal in meine Arme schliessen konnte, schwere Hirnblutungen erlitten hatte. Am 3. Tag nach der Geburt durfte ich das erste mal mit Mattheo kuscheln, ihn wieder zu spüren und ganz nah bei mir zu haben, hat den seelischen Heilungsprozess in gang gesetzt. Mattheos Kopf wurde täglich überprüft, es bestand die Gefahr eines so genannten ,,Wasserkopfs" aufgrund der Hirnblutungen. Nach 3 Wochen auf der Intensivstation kamen wir auf die Nachsorgestation. Und durften anschliessend das Spital 5 Tage vor ET verlassen. Vorher wurde mein Sohn noch am Leistenbruch operiert.

Ernährung Frühchen

Mattheo hat die erste Zeit Muttermilch aus der Frauenmilchbank bekommen, danach hatte ich sehr viel eigene Milch, sodass ich später einige Liter Milch auch spenden konnte. Noch im Spital haben wir die ersten Stillversuche unternommen. Nach dem Spital konnte ich Mattheo voll stillen und stille ihn immer noch (er ist jetzt 2 Jahre korrigiert) (Stand September 2022). Leider hatten wir von Anfang an Probleme mit der Gewichtszunahme. Heute bekommt er seinen Brei mit Trinknahrung angerührt und sein Wasser mit Kallorienpulver angereichert, feste Nahrung nimmt er auch zu sich.

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 30+0» (Bild 2)

Zeit nach der Neonatologie

Mattheo hatte nach dem Spital viele Arzttermine. Wir mussten zum Augenarzt, weil der Augenhintergrund re noch nicht komplett nachgereift war. Zum HNO weil der Hörtest im Spital nicht funktioniert hat. Da kam raus das Mattheo auf der linken Seite schwerst schwerhörig war woraufhin er ein Hörgerät erhielt, welches er 4 Monate getragen hat, danach ist der Hörnerv nachgereift so das Mattheo normal hört. Die normalen Kinderarzttermine hatten wir auch und weil wir bereits schon Herbst hatten bekam Mattheo die RSV Impfung jeden Monat. Mit korrigiert 1 Jahr wurde Mattheo wegen seiner Hypospadie operiert. Mit einem halben Jahr haben wir mit Physio angefangen, die Ergo und Logopädin schauten Mattheo einmal im Quartal an. Seit einem halben Jahr bekommt er 2x die Woche Hausfrühförferung. Seit 4 Wochen sind wir in der Kitaeingewöhnung.

Tipps für Frühcheneltern

Versucht euer Schicksal anzunehmen und dankbar zu sein, dankbar für die medizinische Versorgung und für jeden Tag an dem euer Kämpfer lebt. Das konnte ich auch nicht von Anfang an und musste es erst mal lernen. In meiner Natur liegt das ich das positive in jeder Situation versuche zu sehen, die Spital-Zeit ist sehr anstrengend aber auch wunderschön - so eine intensive Kuschelzeit hätte man sich bestimmt nicht genommen, wenn die Kinder reif geboren wären. Ich bin der Überzeugung das diese besonderen Kinder nur zu besonders starken Eltern kommen und keine Sorge ihr wachst da rein und schafft das.

Austausch

Du musst das nicht allein durchstehen

Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.