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2 dicembre 2024

Körperliche Beeinträchtigungen

Cécile Bucher kam 1985 in der 35. Schwangerschaftswoche mit 1290 Gramm zur Welt — ihr Erfahrungsbericht über das Leben mit den Folgen einer Frühgeburt.

Cécile Bucher

Ich heisse Cécile Bucher, bin 1985 in der 35. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt im Limmattalspital Zürich geboren. Bei der Geburt wog ich 1290 Gramm und war nur 38 cm gross, was in diesem Schwangerschaftsstadium sehr klein und leicht ist. Ich wurde dann mit dem Krankenwagen in die Neonatologie der Uni-Klinik verlegt, ohne dass meine Mutter mich gesehen hatte.

Aus der Uni-Klinik wurde ich auf Wunsch meiner Eltern an Silvester 1985 mit einem Gewicht unter 2 kg ohne neurologischen Befund entlassen. Damals erfolgte die Entlassung aus der Neonatologie erst ab 2 bis 2,5 kg. Meine Mutter merkte mit ca. 4½ Monaten, dass ich mit der rechten Hand nicht gleich gut greifen konnte wie mit der linken. Die Diagnose spastische cerebrale Hemiplegie rechts wurde erst mit ungefähr 7 Monaten ärztlich bestätigt. Meine rechte Seite ist verkürzt, und die rechte Hand kann ich nur als Hilfshand einsetzen. Auf den Füssen gehen konnte ich mit gut 1,5 Jahren; mit ca. 3 Jahren wurde eine erhebliche Sehstörung festgestellt. Erst mit 14,5 Jahren wurde im Rahmen einer Studie per MRI herausgefunden, dass ich eine Hirnblutung gehabt hatte.

Ich habe auch heute als Erwachsene mit den Folgeschäden meiner körperlichen Einschränkung zu kämpfen: Mit 20 Jahren wurde die erste Arthrose diagnostiziert, und seit 2018 bin ich wegen meiner Gleichgewichtsprobleme auf einen Rollator und teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ich hatte und habe seit der Diagnose regelmässig 1–2× wöchentlich Physiotherapie. Als Kind kamen Ergotherapie, Psychomotorik, Augentraining und Logopädie dazu. Neben den offiziellen Therapien lernte ich sehr früh Schwimmen, Reiten und besuchte Rhythmikunterricht. Mein Vater baute einen Kletterturm in unserem Garten, meine Mutter fertigte selbst diverse ergotherapeutische Hilfsmittel an.

Meine Familie, meine Freunde und mein Assistenzhund Jozo sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich bin stolz, dass ich eine vollwertige Ausbildung und Weiterbildungen gemacht habe und lange im 1. Arbeitsmarkt arbeiten konnte. Erst weitere Krankheiten führten dazu, dass ich heute einen IV-Grad von 80 % habe. Ich wohne seit 20 Jahren selbständig in einer eigenen Wohnung.

Ich bin sehr froh, dass mich meine Eltern zur Selbständigkeit erzogen, mir nicht alles abgenommen und mich eigene Entscheidungen treffen liessen. Nicht alle Menschen mit einer Einschränkung erhalten zwingend eine IV-Rente — trotz einer klaren, diagnostizierten lebenslangen Einschränkung muss man immer wieder Anträge stellen und sich um Verlängerungen bemühen. Es lohnt sich, Eltern bereits vor der Entlassung aus der Neonatologie auf die guten Organisationen in der Schweiz wie Pro Infirmis, Procap oder Inseme hinzuweisen. Auch ohne Bezug einer IV-Rente können Menschen in der Schweiz Leistungen wie Hilfsmittel und Anpassungen am Arbeitsplatz oder in der Wohnung beanspruchen, wenn es medizinisch sinnvoll erscheint.

Cécile Bucher und ihr Assistenzhund Jozo