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Wissen

Bronchopulmonale Dysplasie (BPD)

Die BPD ist eine chronische, kardiorespiratorische Erkrankung, die sich im Laufe der ersten Lebenswochen bei Frühgeborenen entwickelt. Hier beantworten Fachexperten die häufigsten Fragen dazu.

Wie wird die BPD klassifiziert?

In der Schweiz wird meistens die Einteilung von Jobe und Bancalari aus dem Jahre 2001 verwendet. Dabei wird die Diagnose einer BPD gestellt, wenn ein frühgeborenes Kind für mehr als 4 Wochen eine zusätzliche Sauerstoffgabe benötigt. Die Einteilung in Schweregrade erfolgt dann im Alter von 36. SSW.

Ein Frühgeborenes hat eine milde BPD, wenn es mit 36. SSW keine zusätzliche Sauerstoffgabe und keine Atemunterstützung mehr benötigt. Eine mittelschwere BPD liegt vor, wenn noch wenig zusätzlicher Sauerstoff (unter 30 %) benötigt wird. Die BPD wird als schwer definiert, wenn das Kind Atemunterstützung in Form von CPAP, eine mechanische Beatmung oder mehr als 30 % Sauerstoff benötigt.

Bronchopulmonale Dysplasie

Wie häufig tritt die BPD auf?

Im Zeitraum von 2018 bis 2022 wurden in der Schweiz insgesamt ca. 1000 Frühgeborene vor 28+0 SSW geboren, die überlebten und aus dem Spital entlassen werden konnten. Davon (Quelle: unpublizierte Daten aus dem nationalen Register für Frühgeborene):

  • Keine BPD: 29 %
  • Milde BPD: 40 %
  • Mittelschwere BPD: 18 %
  • Schwere BPD: 13 %

Wie können enge Kontaktpersonen die Frühgeborenen schützen?

Einerseits durch das Einhalten der allgemeinen Hygienemassnahmen (Händewaschen, Tragen von Hygienemasken bei Krankheit u.a.). Andererseits können sich Eltern, Geschwister und enge Bezugspersonen vor oder direkt nach der Geburt eines Frühgeborenen gegen Grippe und Keuchhusten impfen lassen, falls sie nicht bereits einen Impfschutz haben. Damit verringern sie das Risiko einer Ansteckung des Frühgeborenen deutlich.

Welche Empfehlungen gibt es für die Nachsorge nach der Entlassung?

Frühgeborene sollten in den ersten Lebensmonaten wenn möglich nicht Virusinfektionen ausgesetzt werden, da sie dafür anfälliger sind als Termingeborene. Besucher der Familie sollten eine Gesichtsmaske tragen und den engen Kontakt meiden, wenn sie Symptome einer akuten Erkältung oder Fieber haben, und sich vor dem Kontakt die Hände waschen. Menschenansammlungen sollten in den ersten Lebensmonaten wenn möglich vermieden werden; idealerweise besucht das Kind in den ersten Lebensmonaten keine Kinderkrippe. Wichtig ist eine tabakrauchfreie Umgebung. Spaziergänge an der frischen Luft werden empfohlen.

Wird die körperliche Entwicklung meines Kindes beeinträchtigt sein?

In der Regel entwickeln sich Kinder mit einer BPD normal, das heisst, sie haben keine körperlichen Einschränkungen im Alltag. Aufgrund der Vernarbungen in den Lungen bei einer schweren BPD kann die körperliche Leistungsfähigkeit allerdings leicht eingeschränkt sein, was sich durch eine schnellere Atmung und Ermüdbarkeit beim Sport zeigen kann. Kinder mit einer BPD sollten aber nicht von sportlichen Betätigungen ferngehalten werden — im Gegenteil: Sie sollten ermutigt werden, Sport zu betreiben, da dies die Lungenentwicklung fördert.

Besteht weiterhin ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Situationen?

Ganz selten entstehen bei Frühgeborenen mit einer schweren BPD lebensbedrohliche Situationen, insbesondere wenn sie gleichzeitig einen Lungenhochdruck (pulmonalarterielle Hypertonie) aufweisen. Bei Frühgeborenen mit diesen Risikofaktoren werden allenfalls durch die Herz- und Lungenspezialisten weitere Massnahmen vorgenommen, z.B. in Form eines Sauerstoff-/Puls-Monitorings zu Hause.

Text: Fachexperte Frühchen Schweiz, Dr. med. Fontana Matteo, leitender Arzt Neonatologie, Kinderspital Luzern, und Prof. Dr. med. Regamey Nicolas, Co-Chefarzt und Leiter pädiatrische Pneumologie, Kinderspital Luzern.