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Extrem kleine Frühchen · SSW 23–27

SSW 27+0

Die Geschichte von Lina Emma

Erfahrungsbericht einer Frühchen-Mama · 27.09.2022

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 27+0» (Bild 1)

Schwangerschaft

Ich hatte eine unkomplizierte Schwangerschaft. In der SSW 26+0 hatte ich einen Kontrolltermin bei meiner Frauenärztin woraufhin sie den Verdacht hatte, dass meine Plazenta nicht richtig funktioniert, da meine Tochter zu wenig zugenommen hatte. Sie hat mich anschliessend an das Frauenspital Bern überwiesen. Bei der Kontrolle im Frauenspital hatte sich der Verdacht auf Plazentainsuffizienz bestätigt und ich musste sofort stationär im Frauenspital bleiben. Uns wurde mitgeteilt, dass ich bis zur Geburt meiner Tochter bleiben muss. Das Ziel war die SSW 30+0 zu erreichen sowie ein Geburtsgewicht von 1 kg. Wir wussten ab diesem Zeitpunkt, dass unsere Tochter zu früh auf die Welt kommen wird. Wir hatten die Möglichkeit die Neonatologie zu besuchen.

Geburt

In der SSW 27+0 musste unsere Tochter Lina Emma sofort geholt werden, da ich eine starke Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) hatte. Ich hatte das so genannte Hellp-Syndrom, welches einen schnellen und starken Verlauf nehmen kann. Mein Mann durfte bei der Geburt dabei sein, ich hatte einen Kaiserschnitt. Lina Emma kam mit 720 g und 34 cm auf die Welt. Leider konnten wir Lina weder sehen noch hören, sie wurde sofort im Nebenzimmer von den Ärzten versorgt. Lina hat selbständig geatmet und erhielt ein C-Pap. Mein Mann durfte nach einiger Zeit zu unserer Tochter, währendem die Ärzte mich weiterhin versorgten. Ich kam anschliessend auf die Überwachung, da bei mir nicht klar war, ob sich meine Organe wieder erholen würden, da meine Werte sehr schlecht waren. Ich war zu instabil und durfte die ersten 8 Stunden meine Tochter nicht sehen.

«Lina unsere Kämpferin hat den Ärzten das Gegenteil bewiesen und konnte die NEC mit Antibiotika bekämpfen.»

Zeit auf der Neonatologie

Nach 8 Stunden durfte ich endlich im Bett auf die Neonatologie und konnte das erste Mal känguurulen. In der ersten Nacht wurde Lina leider für einen Tag intubiert. Anschliessend konnte die Intubation wieder entfernt werden und sie erhielt wieder das C-Pap. Lina konnte nach 2 Wochen die Intensivstation verlassen. Sie hatte in dieser Zeit einige Infekte, welche sie jedoch gut überstanden hatte und der Ductus hat sich bei ihr von alleine geschlossen. Jedoch erlitt Lina nachdem sie die Intensivstation verlassen hatte einen Rückfall und musste wieder auf die Intensivstation und wurde wieder intubiert, da sie eine NEC (nekrotisierende Enterokolitis) hatte. Die Ärzte teilten uns mit, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 98% Lina operiert werden muss und sie für einige Zeit einen künstlichen Darmausgang erhalten wird. Lina unsere Kämpferin hat den Ärzten das Gegenteil bewiesen und konnte die NEC mit Antibiotika bekämpfen. Nach einer Woche konnte Lina wieder extubiert werden und durfte wieder die Intensivstation verlassen. Lina erhielt noch Bluttransfusionen und bevor sie nach Hause konnte mussten noch auf beiden Leistenseiten die Leistenbrüche operativ geschlossen werden. Lina war bis zum errechneten Geburtstermin im Spital.

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 27+0» (Bild 2)

Ernährung Frühchen

Leider hatte ich zu wenig Muttermilch und konnte nicht stillen. Ich habe 3 Monate alle 3 Stunden abgepumpt, damit Lina trotzdem ein wenig von meiner Muttermilch bekam. Der Rest war gespendete Muttermilch. Als wir nach Hause gingen erhielt Lina anschliessend Aptamil Pre und später dann Brei und Fingerfood.

Zeit nach der Neonatologie

Lina war ein gesundes kleines Baby. Das Einzige was Lina hat ist eine milde BPD. Wir besuchten mit Lina noch die Physiotherapie bis sie laufen konnte. Lina hat sich super entwickelt und hat alles aufgeholt. Sie ist ein aufgewecktes neugieriges Kind. Ich besuche mit Lina auch noch die Craniosacral Therapie und Kinesiologie. Dies zur Unterstützung, damit auch sie die vielen Untersuchungen und diese Erfahrung gut verarbeiten kann

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 27+0» (Bild 3)

Tipps für Frühcheneltern

Ich empfehle allen Frühcheneltern mit dem Partner und der Familie über alles zu sprechen. Wir wurden in dieser Zeit durch unsere Familie und Freunde sehr unterstützt. Nehmt euch auch genügend Zeit für die Frühchen und besucht sie so viel es geht und nehmt die Hilfe von allen an, sei es fürs Kochen, Putzen , Einkaufen etc, damit ihr so viel Zeit wie möglich bei eurem Kind sein könnt. Zudem empfehle ich, dass man sich auch selbst Zeit nimmt um diese Erfahrung zu verarbeiten, sei es durch Therapien oder Gespräche mit Freunden und Familie.

Austausch

Du musst das nicht allein durchstehen

Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.