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3. Oktober 2025

Eine Schwangerschaft mit unerwartetem Ende bei SSW 23+1

Mitten in der Nacht platzte in der 23. Schwangerschaftswoche die Fruchtblase. Was folgte, waren 122 Tage auf der Neonatologie — und ein Sohn, der sich mit 480 Gramm ins Leben kämpfte.

Kein Tag wie jeder andere sollte es werden, als ich am 29.05.2024 morgens aus dem Bett stieg und entschied, wieder arbeiten gehen zu können. Gegen 00:30 Uhr überraschte mich mitten im Wohnzimmer plötzlich Flüssigkeit, die ungebremst aus mir herausfloss. Ich war doch erst in der Schwangerschaftswoche 23+1? Im 5 Minuten entfernten Spital wurde schnell bestätigt, dass unser Worst-Case-Szenario eingetreten war: Die Fruchtblase war geplatzt, der Gebärmutterhals nur noch 5 Millimeter. Sofort kam die Frage auf, ob wir das Kind retten wollten — dann wäre eine Verlegung ins Uni-Spital nötig, da das Spital erst ab der vollendeten 28. Schwangerschaftswoche Kinder retten könne. Unsere Antwort war klar: ja.

Im Uni-Spital wurde uns nicht viel Hoffnung gemacht, dass man die Schwangerschaft noch lange halten könne. In der Schweiz gilt, dass ab der Schwangerschaftswoche 24+0 «alles gemacht wird» — vorher obliegt die Entscheidung den Eltern. Wir entschieden uns klar dafür, unseren Sohn retten zu lassen. Wir fanden Ruhe über der Entscheidung mit der Gewissheit, dass sein Name Programm sei: «Matteo» bedeutet Geschenk Gottes.

Plötzlich ging alles sehr schnell

Um 10 Uhr bekam ich die erste Lungenreifespritze; geplant war, die zweite Dosis nach 24 Stunden zu geben. Bei der Anästhesie-Aufklärung für den Kaiserschnitt bemerkte die Spätdienstärztin, dass ich Wehen im 2-Minuten-Takt hatte — stark genug, dass alle Fachkräfte den Raum verliessen und ich spürte: Das Kind kommt, und zwar jetzt. Plötzlich ging alles sehr schnell. Weil gerade Schichtwechsel war, waren Früh- wie Spätdienstärzte und Hebammen von zwei Stationen parat. Eine Ärztin schaute mir klar in die Augen: «Sie können das, auch ohne Geburtsvorbereitungskurs!» In der zweiten Hälfte der Presswehe erblickte unser Sohn die Welt.

Nach der Geburt konnte ich keinen Blick auf ihn erhaschen — er wurde sofort in einem anderen Raum versorgt. Gut 40 Minuten später durften wir unser grosses Wunder besuchen, das sich mit nur 480 Gramm und 28 Zentimetern einen Platz im Leben erkämpft hatte. Mich durchströmte tiefe Trauer, meinen Sohn mit so vielen Kabeln, so unendlich klein und hilflos liegen zu sehen.

Entsprechend seiner Fussgrösse machte Matteo in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten kleine Schritte in die richtige Richtung. Auch Rückschritte waren immer wieder Teil unseres Wegs, und es folgten lange 122 Tage auf der Neonatologie. Vier Tage nach seinem eigentlichen Geburtstermin Ende September durften wir das Spital endlich gemeinsam mit ihm verlassen — einerseits mit Vorfreude, andererseits mit Sorge: Ab jetzt war es unsere Verantwortung, seine Werte auf dem Monitor im Blick zu behalten und richtig zu deuten, dazu der Umgang mit Heimsauerstoff und nasaler Magensonde.

Es war an der Zeit, in unsere Rolle als Eltern eines extremen Frühchens hineinzuwachsen und das Geschehene zu verarbeiten und anzunehmen. Nein, so stellt man sich sicher keinen Start ins Familienleben vor. Es hat uns geprägt und wird für immer Teil unserer Geschichte sein — eine Geschichte, die es gilt anzunehmen und als Paar und Familie weiterzutragen.