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Moderate bis späte Frühchen · SSW 33–36

SSW 36+6 Zwillinge

Erfahrungsbericht einer Zwillingsfamilie

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 36+6 Zwillinge»

Schwangerschaft

Meine Schwangerschaft war von Anfang an risikobehaftet, da unsere Zwillinge nach vielen Jahren des unerfüllten Kinderwunsches durch eine künstliche Befruchtung entstanden sind. Bis zur 28. Schwangerschaftswoche lebten wir beruflich bedingt im Ausland und es ging mir, bis auf einen erhöhten Blutdruck, eigentlich gut. Nach der 28. Woche fingen die Komplikationen an. Der Blutdruck konnte nicht mehr gut medikamentös eingestellt werden, ich lagerte viel Wasser ein und hatte schmerzende Krampfadern in den Beinen. Zudem musste ich jede Woche einen Doppler-Ultraschall machen lassen, da die Versorgung von Zwilling A nicht immer gut war. Dies wurde alles ambulant durchgeführt und ich wurde nicht stationär aufgenommen. In der Schwangerschaftswoche 36 erlitt ich noch eine Campylobakter-Infektion, da es mir da sehr schlecht ging, wurde ich 5 Tage im Spital behandelt. An der geplanten Sectio bei 37+4 wurde festgehalten. Bei der Schwangerschaftskontrolle bei 36+6 wurde dann Protein im Urin festgestellt und mein Blutdruck war wieder deutlich zu hoch. Alles deutete auf eine beginnende Schwangerschaftsvergiftung hin. Der Gynäkologe (Stellvertreter meiner Gynäkologin, welche in den Ferien war) entschied dann, dass umgehend eine Notfall-Sectio durchgeführt werden müsste.

Geburt

Plötzlich ging es sehr schnell, mein Mann hat es kaum ins Spital geschafft, was mich so gestresst hat, dass es für die Anästhesistin aufgrund meiner Anspannung fast unmöglich machte, mir die Spinalanästhesie zu legen. Alles in allem war die Geburt mit viel Ungewissheit, Angst und Stress verbunden. Nach der Operation kämpfte ich mit starker Übelkeit, was das erste Bonding sehr erschwerte. Dies, obwohl ich kommuniziert habe, dass ich so auf die Gabe von Opiaten reagiere. Insgesamt war die Geburt leider nicht so schön, dies lag mitunter auch am sehr unempathischen Gynäkologen, welcher sich nicht für mein Befinden interessiert hat. Es war ein Belegarzt und er wollte möglichst schnell wieder zurück in seine Praxis gehen. Deshalb verbreitete er diesen unnötigen Stress. Er hat seine Bedürfnisse an dieser Stelle klar über die Bedürfnisse von mir und meiner Familie gestellt. Das beschäftigt mich noch heute und ich hoffe, dass das keine andere Person mehr in dieser Form erleben muss. Glücklicherweise waren die zwei Babys (ein Mädchen und ein Junge) gesund, sie wogen 2130g bei 43 cm und 2440 g bei 49 cm.

Zeit nach der Geburt

Die ersten Tage waren nicht einfach. Nach der Geburt kamen die Zwillinge tagsüber zunächst zu mir ins Zimmer, wurden jedoch für die ersten beide Nächte zur Beobachtung auf die «Neonatologie» (nur für Geburten ab der 35. SSW) gebracht. Ich war wegen der Campylobakter-Infektion noch geschwächt, hatte weiterhin Probleme mit dem Blutdruck und schmerzhafte Nachwehen. Emotional waren diese Tage für mich eine Achterbahnfahrt. Ich weinte in diesen Tagen so viel, wie schon lange nicht mehr. Ich fühlte mich vom Gynäkologen nicht ernst genommen (meine Gynäkologin war noch immer in den Ferien) und fand, dass mich die Pflegenden mit vielen Aufgaben im Stich gelassen hatten. Dies wahrscheinlich deshalb, weil ich Pflegefachfrau bin. In dieser Situation war ich aber einfach eine frischgebackene Zwillingsmama, die keine Ahnung vom selbst Stillen, Zufüttern etc. hatte. Mein Mann und meine Familie unterstützten mich aber sehr und waren fast die ganze Zeit da, um mich zu supporten. Am 5. Tag musste ich bereits austreten, dieser Schritt war mit vielen Unsicherheiten verbunden. Bis zum Austrittstag war nicht klar, ob das Mädchen noch bleiben muss, da ihr Gewicht zwischenzeitlich unter 2000g war und dies die Mindestgrenze für den Übertritt nach Hause ist (es ist normal, dass die Babys die ersten Tage nach der Geburt Gewicht verlieren). Zum Glück konnten wir fünf Tage nach der Geburt mit beiden Babys das Spital verlassen und, die Hebamme kam in der ersten Woche täglich zu uns, um die Kinder zu wägen und uns zu begleiten und zu beraten.

«Unseren Kindern geht es heute gut und wir sind jeden Tag dankbar, dass wir sie bei uns haben.»

Ernährung Frühchen

Da ich den Milcheinschuss erst am 5. Tag nach der Geburt hatte und das gleichzeitig der Austrittstag war, unterstützte uns die Hebamme viel in Bezug auf die Ernährung unserer Babys. Zu Hause habe ich alle vier Stunden abgepumpt und in der ersten Zeit noch versucht zu stillen. Die Stillversuche haben wir nach ca. zwei Wochen abgebrochen, da es einfach sehr viel Energie gekostet hat und die zwei Kleinen noch immer nicht genug Kraft hatten, um zu saugen. Es ist sehr intensiv, alle vier Stunden abzupumpen, zwei Kinder zu stillen und auch noch «nachzufüttern». Zehn Wochen lang habe ich abgepumpt, parallel dazu wurden die Kinder mit Aptamil-Pulvermilch versorgt, da ich von Anfang an zu wenig Milch hatte, um beide vollständig mit Muttermilch zu ernähren. Mein Mann hat mich bei jeder Ernährungseinheit (alle 4h) tatkräftig unterstützt (wenn er zu Hause war) Auch aus unserer Familie haben wir viel Hilfe erhalten.

Tipps für Frühcheneltern

Retrospektiv würde ich auf jeden Fall ein Spital mit einer Neonatologie auswählen, da so einfach von einer kompetenten Betreuung ausgegangen werden kann und die spezialisierten Mediziner*innen 24 Stunden vor Ort sind. Ich habe auch gelernt, mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und mich mehr für meine Bedürfnisse und die meiner Familie einzusetzen. An eine Geburt erinnerst du dich ein Leben lang, mindestens ein Mal pro Jahr - sicher am Geburtstag der Kinder/des Kindes. Es ist deshalb so wichtig, dass dieses Erlebnis so positiv wie möglich gestaltet wird. Auch bei Komplikationen oder wenn ein Notfall eintritt: sofern die involvierten Personen kompetent und einfühlend agieren und dabei adäquat kommunizieren, hat das positive Auswirkungen auf das Geburtserleben. Dies war bei meiner zweiten Geburt dann glücklicherweise so, nachdem ich bewusst das Spital gewechselt hatte. Bei Zwillingen würde ich in jedem Fall auf eine kompetente Stillberatung im Spital bestehen (nicht erst am Austrittstag). Unseren Kindern geht es heute gut und wir sind jeden Tag dankbar, dass wir sie bei uns haben. Noch heute bin ich an jedem Geburtstag sehr emotional, da alle Erinnerungen wieder hochkommen. Das Sprichwort «Zeit heilt Wunden» stimmt in diesem Fall aber tatsächlich – bei jedem Geburtstag (bald der 5.) wird der Schmerz etwas weniger.

Austausch

Du musst das nicht allein durchstehen

Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.