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Sehr unreife Frühgeborene · SSW 28–30

SSW 28+3 Zwillinge

Erfahrungsbericht einer Zwillingsfamilie · 16.12.2022

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 28+3 Zwillinge» (Bild 1)

Schwangerschaft

Ich hatte eine komplizierte Zwillingsschwangerschaft. Ich hatte in der SSW 8 sowie in der SSW 11 starke Blutungen. Die erste wurden ausgelöst durch ein Hämatom. Bei der zweiten Blutung konnte nicht festgestellt werden, woran es lag. Ich hatte danach bis zur SSW 24 eine relativ entspannte Schwangerschaft. In der SSW 24 wurden leichte Wehen festgestellt, worauf ich sofort in das nächstgelegene grössere Spital eingewiesen wurde. Ich wurde täglich kontrolliert per Sonographie und Doppler. Soweit alles unauffällig. Beim ersten Zwilling wurde im Laufe der Zeit allerdings ein Wachstumsstillstand festgestellt. Meine Tochter war in der Entwicklung 5 Wochen im Rückstand. Der Arzt, der dies diagnostizierte, war nicht gerade einfühlsam. Seine Worte waren: " Das Kind ist behindert." Ein Schock für mich. Ich wollte sofort mit dem Kinderarzt sprechen. Dieser erklärte mir wie die Neo aufgebaut ist. Er war sehr einfühlsam und ich hatte ein gutes Gefühl. Die Kinder waren nun in der SSW 28+2. In der Chefvisite wurde mir mitgeteilt, dass meine Kinder zu 99% am nächsten Tag geholt werden müssen. Ich war sehr perplex und hatte plötzlich Angst davor.

Geburt

Bei SSW 28+3 wurde ich für den Kaiserschnitt vorbereitet. Es wurde die Spinalanästhesie gelegt. Nach der Geburt röchelte die erstgeborene Tochter und meine zweitgeborene Tochter hustete und weinte kurz. Beide Kinder habe ich nicht gesehen. Nachdem ich auf die Station verlegt wurde, durfte ich zu meinen Zwillingen Namens Mia und Lina. Mia war intubiert und Lina am C-PAP. Ich habe viel geweint, gehofft und mir gewünscht, dass die beiden gesund sind und bleiben. Da wusste ich noch nicht was mich noch alles erwarten würde. Lina hatte einen geöffneten Ductus der per Paracetamol Behandlung geschlossenen wurde. Beide Mädels brauchten zwischenzeitlich Bluttransfusionen. Eines Tages hatte Mia plötzlich sehr schlechte Werte, während ich Lina wickelte. Ich sah zu wie mein Kind beinah gestorben wäre. Die Ärzte reanimierten Mia und sie wurde wieder intubiert. Bei beiden Kindern wurde ein Neugeborenes Screening gemacht. Lina blieb unauffällig, Mia war auffällig auf die Mukoviszidose getestet. Die Ärzte waren sich einig das dies nicht der Fall sein kann. Durch einen Gentest kam heraus, dass sie die Mukoviszidose hat. Also verlängerte sich aufgrund dieser Diagnose unser Aufenthalt in der Neo. Bei Lina wurde ein Hämangiom an der Stirn festgestellt, welcher durch eine Eistherapie behandelt wurde. Die Pflegenden und Ärzte waren sehr einfühlsam und wir konnten täglich psychologische Betreuung in Anspruch nehmen. Dies nutzten wir je nach Gefühlslage.

«Frühchen sind etwas Besonderes und benötigen in vielen Bereichen mehr Unterstützung als termingeborene Kinder.»

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 28+3 Zwillinge» (Bild 2)

Zeit nach der Neonatologie

Als wir zu Hause waren, wurden wir durch eine Nachsorgepflege betreut. Die Nachsorgepflege war eine grosse Erleichterung für uns. Wir hatten viele Termine wahrzunehmen (Kardiologe, Augenarzt, Mukoviszidose Ambulanz, Kinderarzt). Wir haben die Neo auch des Öfteren besucht, da wir gute Erfahrungen gemacht haben. Der Entwicklungsstand beider Kinder war lange verzögert. Wir nahmen Physiotherapie in Anspruch und es wurde per Bobath therapiert. Heute sind beide 4 Jahre alt und haben sich super entwickelt. Mia hat zwar immer noch Beeinträchtigungen, sie geht aber ihren eigenen Weg und entwickelt sich in kleinen Schritten.

Ernährung Frühchen

Mia und Lina erhielten Spendermilch. Nach ca. 2 Tagen konnten beide mit meiner Milch ernährt werden. Leider funktionierte das Stillen mit Stillhütchen nicht. Beide hatten keine Kraft zum Saugen. Leider blieb aufgrund vom Stress meine Muttermilch nach 3 Monaten weg. Sie erhielten weiterhin Frühchenmilch, welche ich selbst kaufen mussten. Später fingen wir mit Prenahrung, danach Brei und dann vollwertigen Nahrung an.

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 28+3 Zwillinge» (Bild 3)

Tipps für Frühcheneltern

Ich empfehle Frühcheneltern immer Hilfe anzunehmen und sich Hilfe zu holen. Frühchen sind etwas Besonderes und benötigen in vielen Bereichen mehr Unterstützung als termingeborene Kinder. Nehmt jegliche Therapien an, auch wenn sie zeitaufreibend sind. Ich habe gelernt mir mehr Zeit für mich selbst zu nehmen, um wieder Energie für meine Zwillinge zu haben.

Austausch

Du musst das nicht allein durchstehen

Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.