
Schwangerschaft
Ich hatte eine komplikationslose Schwangerschaft, bis auf die morgendliche Übelkeit gings mir gut. Dachte ich zumindest. Mein Freund begleitete mich zum Kontrolltermin beim Frauenarzt. Dieser führte die Untersuchung durch und alles war in Ordnung mit dem Baby. Jedoch wurde festgestellt, dass mein Muttermund schon offen war. Ich musste sofort in die Notaufnahme. Ich verstand die ganze Situation nicht. Im Krankenhaus angekommen wurden wir sofort in den Kreissaal gebracht. Ich bekam Wehenhemmer und wurde ans CTG angeschlossen und die erste Spritze der Lungenreife wurde gemacht. Die Nacht verlief ruhig. Am nächsten Morgen wurde ich auf die Station gebracht. Dann hiess es vom Spital, dass sie keinen Platz auf der Neonatologie für unser Baby haben, sollte es jetzt auf die Welt kommen. Nach einigen Diskussion wurde ich dann mit der Rega nach St. Gallen geflogen. Dort habe ich meine Familie und Freunde. Mein Freund kam am nächsten Tag nach, er wohnte in dieser Zeit bei meiner Mutter. Zum Glück hatte er Ferien. Diese wurden nun nicht wirklich erholsam. Belastend hinzu kam, dass dies alles drei Wochen vor der Hochzeit stattfand. Unser Trauuungstermin war der 2 Juli 2016. Wir mussten also alles absagen. Die Zeit in St. Gallen war in Ordnung. Ich wurde im Spital über alle möglichen (Horror) Szenarien aufgeklärt und die Ärzte und das Pflegepersonal waren sehr einfühlsam. Ich hatte strikte Bettruhe, durfte nicht mal aus WC. Nach einer Woche musste mein Freund wieder nachhause, die Arbeit rief. Ich wollte also auch wieder näher zu ihm, auch wenn ich die Besuche meiner Familie und Freunde «genossen» hatte. So wurde ich nach ca. 8 Tagen in St. Gallen wieder mit der Rega ins CHUV nach Lausanne verlegt, da in Genf immer noch kein Platz frei war. In Lausanne lag ich also auch wieder und mein Freund kam jeden Tag zu mir. Alles verlief unauffällig und ruhig. Dann kam die Nacht vom 1 Juli auf den 2 Juli.
Geburt
Um ca. 20.00 Uhr am Abend bekam ich Rückenschmerzen. Diese wurden immer schlimmer. Ich rief die Schwestern, welche mir sofort Wehenhemmer und Bettflaschen gaben, um die Schmerzen zu lindern etc. Alles half nichts. Um ca. 03.00 Uhr morgens bei der SSW 28+ 3 wurde ich in ein Untersuchungszimmer gebracht und ein Arzt kam rein. Ich erinnere mich noch so gut an den Satz: «Madame, vous êtes en train d’accoucher. Vous voulez appeler votre copain?». Entsetzt rief ich meinen Freund an, der sich sofort auf den Weg nach Lausanne machte. Ich wurde also in den Kreisssaal gebracht und die Geburt nahm ihren Lauf. Um ca. 04.00 Uhr kam mein Freund rein, um 04.22 Uhr kam unser Sohn auf die Welt. Ich sah ihn gefühlte 2 Sekunden lang bevor er dann von den Ärzten versorgt wurde. Ich stand unter Schock. Ich fragte die Hebamme, ob er auch alle Finger und Zehen hatte.
«Reden hilft beim Verarbeiten vor allem bei Personen, die das gleiche durchlebt haben.»
Zeit auf der Neonatologie
Ca. vier Stunden nach der Geburt durften wir unsern Sohn das erste Mal auf der Neonatologie besuchen. Er sah so winzig aus und die ganzen Kabel machten uns Angst. Die Pflegefachfrau war super nett und erklärte uns alles. Ich bezog nach meiner Entlassung eine kleine Wohnung auf dem Campus des CHUV. Die Tage verbrachte ich bei meinem Sohn. Wir konnten jeden Tag «Känguru» machen. Der kleine Kämpfer hatte einen C-Pap, ansonsten hatte er keine Komplikationen. Nach drei Wochen in Lausanne und einigen Bemühungen, konnten wir endlich einen Platz in der Neonatologie in Genf bekommen. Unser Sohn wurde mit dem Krankenwagen ins HUG transportiert, wo ich bereichts auf ihn wartete. Er wurde untersucht in den Brutkasten gelegt. Jeden Tag kam ich um die Pflege zu machen, ihm vorzulesen und natürlich das kuscheln, peau à peau, wie sie in Genf sagen. Die Sonde mochte mein Sohn mit der Zeit nicht mehr so. Mit der Zunge «hievte» er sie oft raus. Ein Pfleger meinte sogar, wir könnten vor der SSW 30 mit dem Schoppen anfangen, unser Sohn wäre bereit. Aber die Ärzte wollten nach Protokoll vorgehen und so mussten wir uns noch etwas gedulden. Als es dann so weit war, war es umso schöner. Das C-Pap brauchte er auch immer weniger, dann bekam er das Highflow. In der ca. SSW 35 wurden wir informiert, dass unser Sohn ins Hôpital de la Tour verlegt werden. Der Kleine entwickelte sich so gut und ohne Komplikationen, dass wir tatsächlich in der SSW 36 nachhause durften. Es wurden natürlich noch diverse Untersuchungen gemacht, unter andrem ein Ultraschall vom Kopf. Die Nacht bevor wir nachhause durften, verbrachte ich im Spital, da durfte ich ihm alle Schoppen geben und die Pflege auch übernehmen.

Ernährung Frühchen
Ich konnte auch nach mehrmaligen Versuchen nicht Stillen. Ich hatte keine Milch. Daher wurde mein kleiner mit Milchpulver gross. Die ersten Monate nach der Entlassung mit spezieller Frühchenmilch. Nach und nach wechselten wir zur «normalen» Milch. Die Breikost akzeptierte er ohne grosse Schwierigkeiten. Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr nahm er nicht gross zu. Nur ca. 2 Kilogramm. Dies alarmierte die Kinderärztin. Aber nach einigen Untersuchungen konnte keine Ursache gefunden werden. Er ist auch heute kein grosser Esser, aber er isst von allem etwas.
Zeit nach der Neonatologie
Nach den turbulenten Monaten waren wir endlich glücklich zu dritt. Die Nächte waren sehr kurz, da er viel schrie. Aber nach den ersten drei Monaten wurden die Nächte auch besser und wir fanden unseren Rhythmus. Die monatlichen Kontrollen beim Kinderarzt waren engmaschig aber verliefen problemlos. Die Kinderärztin im Hôpital de le Tour organisierte, dass wir die Impfung gegen das RVS-Virus bekamen. Wir hatten in den ersten Wochen nach der Entlassung einen Termin im HUG zur Untersuchung der Lungen und Ohren. Alles war in Ordnung.

Tipps für Frühcheneltern
Ich empfehle allen Frühcheneltern sich Hilfe zu holen. Psychologische- oder Haushaltshilfen. Während der Neozeit oder aber auch nachher. Reden hilft beim Verarbeiten vor allem bei Personen, die das gleiche durchlebt haben. Als ich meine Berufstätigkeit wieder aufgenommen hatte und ein Alltag sich einschlicht, fiel ich ein Loch, weil ich alles nicht richtig verarbeitet hatte. Deshalb empfehle ich es sehr Hilfe in Anspruch zu nehmen!
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Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.


