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Extrem kleine Frühchen · SSW 23–27

SSW 23+5

Die Geschichte von Lee Denny

Erfahrungsbericht einer Frühchen-Mama · 28.09.2022

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 23+5» (Bild 1)

Schwangerschaft

Ich hatte bis zur SSW 23 eine komplikationslose Schwangerschaft. Die ersten 12 Wochen waren begleitet von Übelkeit, allerdings kein Erbrechen oder sonstiges. Danach war das auch wieder vorbei und mir ging es richtig gut.

Geburt

Bei SSW 23+5 bekam ich nachts um 1:15 Uhr plötzlich Bauchkrämpfe bzw. dachte ich, dass es Bauchkrämpfe sind. Nach drei Stunden wurden die Krämpfe (es waren Wehen) richtig regelmässig - alle 5 Minuten und ich bekam ganz leichte Blutungen. Ich rief nachts der Ambulanz an und die brachten mich ins Spital. Dort wurde ich sofort von einer richtig netten Ärztin untersucht. Mein Baby lebte - es sei sehr aktiv. Sie wollte allerdings sicher gehen und machte noch einen Vaginalultraschall. Sie erkannte, dass die Fruchtblase schon Richtung Becken gerutscht war. Ihre Worte waren - " Frau Bilgeri, es bringt nichts - ihr Kind wird heute noch kommen". Ein richtiger Schock für mich. Später kamen andere Ärzte dazu und ich bekam Wehenhemmer. Laut den Ärzten gab es 2 Varianten für mich. Entweder in diesem kleinen Spital gebären und die Überlebenschancen stehen für das Baby schlecht, da sie weniger spezialisiert sind für Frühchen, oder den Transport in ein grosses Spital wagen. Dort sind sie spezialisiert für Extremfrühchen und die Überlebenschancen wären besser. Man sagte mir aber auch gleich, falls das Baby in der Ambulaz kommen würde, dass es keine Überlebenschancen gibt. Nun, wir wagten den Transport. Ich kam gottseidank im Spital an und man sah beim Ultraschall, dass die Nabelschnur um die Füsse des Babys gewickelt war. Allerdings wollten sie es so lange raus zögern wie es geht wegen der Lungenreifungsspritze. Ärzte klärten mich und meinen Freund über alles auf und fragten, ob wir lebenserhaltende Massnahmen möchten, falls es nicht gut aussieht usw.. Sie erklärten uns, was auf uns zukommen wird bezüglich Hirnblutungen, Infekte und vieles mehr. Nun nach drei Stunden musste man einen Notkaiserschnitt machen, da ich eine Plazentaablösung hatte. Um 12:05 Uhr kam mein kleiner Sonnenschein Lee Denny auf die Welt. Er war 680 g schwer, 32 cm lang und hatte einen Kopfumfang von 23 cm. (Mein Freund durfte ihn direkt nach der Geburt kurz anschauen). Laut den Ärzten wäre es eine halbe Stunde später für mich und mein Baby lebensgefährlich geworden.

«Mein Sohn ist mein persönliches Wunder - Wunder gibt es immer wieder - verliert nie die Hoffnung!»

Zeit auf der Neonatologie

Die Ärzte waren fasziniert, denn mein kleiner Mann musste nicht intubiert werden, da er selbst atmen konnte. Er hatte dann den CPAP mit Sauerstoffunterstützung. Ich durfte am selben Abend noch mit meinem Freund zusammen zu ihm. Wir waren überwältigt - Fingernägel, Zehennägel, Wimpern usw. - alles vorhanden. Er bekam gleich am 2. Tag eine Blaulichttherapie wegen dem Bilirubin. Ab dem 2. Tag durfte ich 4 Stunden am Stück täglich kuscheln (man legte ihn mir auf die Brust). Sie machten Kontrollen wie Hirn-, Nieren-, Blase- und Herzultraschall - alles war unauffällig. Da der Duktus noch nicht ganz zu war, bekam er Penicillin zur Sicherheit. Unser kleiner Mann bekam dann eine Hirnblutung 1. Grades, Nieren Einblutungen, einen Harnwegsinfekt und Blutarmut. Unser Glück - alles bildete sich wieder zurück - Hirnblutung sieht man nicht mehr, Nieren Einblutungen gingen zurück und das Antibiotikum hat angeschlagen. Die Bluttransfusionen vertrug unser Sohn auch sehr gut. Leider bekam er dann eine Druckstelle an der Nase vom CPAP und hatte Wasser auf der Lunge. Die Ärzte mussten einen Rachentubus legen (da er ja selbst atmete musste er nicht ganz intubiert werden). Das Pflegeteam merkte aber bald, dass der Rachentubus zu schmerzhaft für Lee war und probierten dann den Optiflow abwechselnd mit dem CPAP. Das Wasser auf der Lunge wurde weniger und er brauchte immer weniger Sauerstoffunterstützung. Die Druckstelle wurde immer besser. So ging es einige Tage und bald hatte er nur noch den Optiflow mit 20-25% Sauerstoff. Augenuntersuchungen waren die ersten paar unauffällig und dann hatte man den Verdacht auf eine Netzhautkrankheit (RPM 1. Grades). Aber unser Kämpfer hat auch das überstanden - die Anzeichen bildeten sich zurück und die Augen sind einwandfrei. Lee nahm zu unserem Glück sehr gut zu und wir konnten 1 Woche vor dem errechneten Geburtstermin (17.08.2022) nach Hause.

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 23+5» (Bild 2)

Ernährung Frühchen

Ich konnte sofort abpumpen und es kam genug Milch für meinen Sohn. Am Anfang bekam er 0.5ml 6x täglich über die Magensonde - das wurde von Zeit zu Zeit gesteigert. Meine übrige Milch wurde eingefroren und ich bekam sie dann gegen Ende mit nach Hause. Es gab immer wieder Stillversuche auf der Intensivstation. Allerdings auch bis zum Ende der Krankenhauszeit war Lee nicht der extreme Trinker. Wir wurden am 10. August entlassen und erst 4 Tage davor hat es mit Teilstillen (zuerst stillen - dann die Flasche geben) geklappt. Am 12. September habe ich dann auch aufgehört zu pumpen und zu stillen. Es hat eben nicht so funktioniert wie wir wollten (wollte unbedingt stillen), aber schlussendlich hat es für mich mir der Flasche dann auch gepasst.

Zeit nach der Neonatologie

Die ersten Wochen schrie Lee zuhause sehr viel und man merkte ihm richtig an, dass er Schmerzen hatte. Am 29. August hatte er dann die Leistenbruch OP und 2 Tage danach war er wie ausgewechselt - keine Schmerzen mehr. Am 22. September mussten wir nochmal stationär für 2 Tage gehen - er bekam eine Hämangioltherapie, da er 2 Blutschwämmchen am Rücken hat. Bisher aber auch keine Nebenwirkungen. Unser Sohn hat keine Beeinträchtigungen, keine Krankheiten oder sonst was.

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 23+5» (Bild 3)

Tipps für Frühcheneltern

Ich weiss der Weg ist steinig und es werden immer wieder Diagnosen kommen, die einem den Boden unter den Füssen wegziehen, aber bleibt stark - euren Kindern zuliebe. Lasst euch von Freunden und Familien unterstützen. Ich wollte unbedingt stillen - aber wenn es für die Kleinen und für einen Selbst nur eine Qual ist, dann tut das, was für euch Zwei am besten ist. Mich haben viele Bekannte vorwurfsvoll angeredet - ob ich wirklich aufgehört habe zu stillen, aber ihnen war glaub ich nicht klar, dass wir alles versucht haben. Ich habe 5 Monate abgepumpt, auf die Leistenbruch OP gewartet und gehofft, dass dann das Stillen vielleicht besser wird, allerdings ohne Erfolg. Unser Sohn hat bisher 5 Monate Muttermilch bekommen und ich habe noch 2 Schubladen voll eingefroren - sie werden auch so gross - lasst euch ja nicht runterziehen!! Mein Sohn ist mein persönliches Wunder - Wunder gibt es immer wieder - verliert nie die Hoffnung!

Austausch

Du musst das nicht allein durchstehen

Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.