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Sehr unreife Frühgeborene · SSW 28–30

SSW 28+0

Erfahrungsbericht einer Frühchen-Mama · 02.10.2022

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 28+0» (Bild 1)

Schwangerschaft

Ich hatte eine komplikationslose Schwangerschaft. Bis auf die üblichen Probleme wie starke Übelkeit, Kurzatmigkeit und zum Ende hin schlimme Ischiasschmerzen, hatte ich eine gute Schwangerschaft. So verlief alles gut, bis zu dem Tag Anfang November 2021 als ich mich mit Corona angesteckt hatte. Ich konnte mich eine Woche noch zuhause halten, aber musste dann doch ins Krankenhaus, weil das Fieber stieg und ich keine Luft mehr bekam.

Nach drei quälenden Tagen, als die Ärzte wirklich alles versucht hatten um die anstehende Geburt zu verhindern, hatten sie keine andere Möglichkeit mehr um die Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Ich bekam selbst mit einer Nasenbrille nicht genug Luft, um mich und mein ungeborenes Kind zu versorgen.

Geburt

Dann begann mein Albtraum. Am 16.11.2021 überlegten die Ärzte wie ich einen Kaiserschnitt ohne zusammenzubrechen überleben würde. Es sollte noch bis 21.04 Uhr dauern bis eine Entscheidung gefällt wurde. Kurz vor der OP waren die Herztöne meines Sohnes unregelmässig und wurden immer schwächer. So entschied man eine Not-Sectio zu machen. Ich war komplett alleine die ganze Zeit. Mein Mann durfte nicht kommen, da er auch noch in Quarantäne war und hoffte zuhause unter Tränen, dass wir beide das alles überleben. So wurde Joris am 16.11.2022 mit 1.075 g und 42,5 cm um 21.04 Uhr geboren und ich hörte ihn nicht schreien. Er war sofort weg. Ich durfte ihn nicht einmal sehen. Danach wurde ich versorgt und mein Sohn ging auf die Intensivstation und ich auf die Corona Isolationsstation. Ganze 8 Tage durfte ich zu niemanden Kontakt haben, mein Kind konnte ich nur durch eine Live-Kamera sehen. 24 Stunden nach der OP bekam ich auch das erste Foto mit all den Schläuchen. Er wurde 2x 24h beatmet, danach 3 Wochen mit CPAP und zum Schluss hatte er einen Monat mit Nasenbrille.

«Und vor allem: ihr schafft die schwere Zeit - ihr seid stark für euch und euer Kind.»

Zeit auf der Neonatologie

Nachdem mich die Ärzte auf der Intensivstation nach 8 Tagen wieder herstellen konnten (inkl. einer Fast-Wiederbelebung), konnten mein Mann und ich mit einem Rollstuhl die Neonatologie besuchen. Es war ein beängstigendes Gefühl, aber das änderte sich schnell. Wir lebten parallel in einem Ronald-McDonald-Haus nur 30 m vom Krankenhaus entfernt und konnten so immer zwischen 7.00 Uhr und 21.30 Uhr bei ihm sein. Vorallem die älteren Pflegefachfrauen halfen mir meine Angst zu überwinden und dank psychologischer Unterstützung fing ich an die Situation zu akzeptieren. Joris machte jeden Tag seit unserem Besuch gute Fortschritte. Der Ductus wuchs mit einer 10-tägigen Ibuprofengabe zu, er überstand zwei Sepsen, ein kleiner Leistenbruch verheilte zum Glück ohne OP, ein Krampfanfall stellte sich zum Glück auch nicht heraus, sondern nur als Krampfanfallähnlich. Er hatte nur starke Probleme mit seiner Verdauung. Daran merkte man wirklich seine frühe Geburt. Er bekam 10 Tage lang ein starkes Medikament und Bluttransfusionen. Sein Darm blähte sich eines Tages ohne erkennbaren Grund auf und drohte zu reissen. Zum Glück überstanden wir das. Nach 58 Tagen Neo konnten wir dann ohne Sauerstoff, Monitor und Magensonde nach Hause. Lediglich ein Eisenpräperat, Vitamin D und Augentropfen die gegen ROP Stufe 1 helfen sollten, bekamen wir mit.

Ernährung Frühchen

Joris erhielt 6 Wochen gespendete Muttermilch. Ich konnte ihn leider nie stillen, weil ich durch die Corona Infektion nicht die Kraft hatte, ausserdem bekam ich starke Schmerzmittel und Antibiotika (u.a. Morphium und Cortison) die meine Milch verunreinigten und dazu kam das ich nicht mal Milch produzierte, weil ich 8 Tage von meinem Kind getrennt war am Anfang. So stellten wir mit den Pflegefachfrauen auf der Station Joris auf Frühchenpulvernahrung um. Er bekam bis zu seinem ET Bebe Frühchennahrung Stufe 2, danach Hipp Bio Combiotik Pre, 1 und jetzt in Kombination mit Brei die 2 (Stand September 2022).

Foto aus dem Erfahrungsbericht «SSW 28+0» (Bild 2)

Zeit nach der Neonatologie

Die Zeit nach der Neo war recht anstrengend. Es standen viele Kontrolltermine an. Wir mussten jede Woche zum Augenarzt um die ROP am rechten Auge zu kontrollieren und zum Kardiologen, um das kleine Loch was beim schliessen des Ductus übriggeblieben war, zu kontrollieren. Aber es war alles unauffällig. Joris ist lediglich Dauerpatient bei der Physiotherapie, da bei ihm eine Muskeltonusstörung festgestellt wurde. Nichtsdestotrotz krabbelt er mit 10 Monaten und ist mit über 9 kg und 77 cm recht gross und kann gut mit gleichaltrigen mithalten. Er wird mit 1,5 Jahren in eine kleine Kita mit wenig Kindern gehen, weil ich etwas Angst habe, er könnte überfordert sein.

Tipps für Frühcheneltern

Nehmt jede Hilfe die ihr bekommen könnt in Anspruch. Macht euch nicht fertig aufgrund von schlechten Nachrichten oder der frühen Geburt. Sprecht darüber so oft ihr wollt. Guckt was euch das Krankenhaus anbietet. Freundet euch mit anderen Eltern in der gleichen oder ähnlichen Situation an. Dann fühlt man sich nicht mehr alleine. Und vor allem: ihr schafft die schwere Zeit - ihr seid stark für euch und euer Kind.

Austausch

Du musst das nicht allein durchstehen

Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.