SSW 30+5 Zwillinge
Die Geschichte von Mian und Nouri
Erfahrungsbericht einer Zwillingsfamilie · 08.11.2022
Schwangerschaft
Meine Schwangerschaft verlief grundsätzlich gut. Nachdem ich bis ca. in die 22. SSW mit Nausea zu kämpfen hatte fühlte ich mich danach vergleichsweise sehr gut. In der 28. SSW hatte ich eine reguläre Kontrolle bei meiner Gynäkologin. Bei der Untersuchung stellte sie fest, dass ich einen zu hohen Blutdruck, Wassereinlagerungen in den Beinen sowie Protein im Urin hatte. Sie erklärte mir, dass diese drei Faktoren zusammen ein Frühzeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung sein können. Nach dem Ultraschall stellte sie zudem fest, dass mein Muttermund verkürzt war. Aus diesem Grund telefonierte meine Gynäkologin noch während der Untersuchung mit dem Frauenspital in Bern. Die diensthabende Oberärztin sagte dann, dass ich zu ihnen zur Kontrolle kommen muss. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass ich nur ein paar Tage im Spital bleiben muss und danach wieder nach Hause kann. Doch es kam leider ganz anders als gedacht.
Geburt
Ich konnte leider nicht mehr nach Hause. Meine Werte wurden Tag für Tag schlechter und die Schwangerschaftsvergiftung Schritt weiter voran. Gottseidank ging es Mian und Nouri immer gut, das half mir, die Zeit durchzustehen. Mir wurde jeden Tag gesagt, dass es sehr wichtig sei, dass ich zumindest die 30. SSW erreichen würde, da dies ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung sei. Da es mir zunehmend schlechter ging und die Wassereinlagerungen nun auch schon auf der Lunge zu hören waren, wurde entschieden, Mian und Nouri in der 30+5 SSW per Kaiserschnitt zu holen. Im Juli 2021 wurden wir Eltern von Mian Jax (1000g) und Nouri Théo (1465g). Aufgrund meiner starken Schwangerschaftsvergiftung war ich während des Kaiserschnitts nicht wirklich präsent. Ich hörte, wie Nouri weinte, als sie ihn rausholten. Leider konnte ich beide unmittelbar nach der Geburt nicht sehen. Sie wurden direkt im Nebenzimmer versorgt. Später konnte ich Nouri kurz noch sehen, Mian wurde bereits auf die Station gebracht. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt keine Sauerstoffunterstützung.
«Deshalb wäre mein Tipp für Frühcheneltern immer sehr offen und ehrlich miteinander zu sprechen und Bedenken, Ängste und Unklarheiten immer direkt anzusprechen – sei es beim Pflegepersonal oder auch untereinander als Eltern.»
Zeit auf der Neonatologie
Ich konnte leider erst am nächsten Tag auf die Neonatologie. Mian und Nouri hatten nun beide das C-Pap, da sie Mühe mit dem Atmen hatten. Nouri konnte die Sauerstoffunterstützung nach ca. 6 Tagen ablegen. Mian hatte mehrere Wochen das C-Pap, gefolgt vom Highflow. Ca. 1,5 Wochen vor Spitalaustritt konnte auch Mian die Sauerstoffunterstützung ablegen. Nouri hatte einen Infekt aufgrund dessen herausgefunden wurde, dass er einen angeborenen Blasenreflux hat. Zudem wurde bei beiden ein offener Ductus sowie Foramen ovale (PFO) festgestellt. Nouris Ductus hat sich nach dem zweiten Durchlauf der Kortisontherapie von selbst verschlossen. Mians Ductus ist bis heute offen sowie auch bei beiden das PFO. Bei Mian wurde zudem eine Hypospadie festgestellt. Wir konnten Nouri nach sieben Wochen, am 21. August 2021 nach Hause nehmen. Mian musste aufgrund der Sauerstoffunterstützung noch etwas länger auf der Neo bleiben. Ihn konnten wir dann am 15. September 2021, nach 10 langen Wochen auf der Neo, ebenfalls nach Hause nehmen.
Ernährung Frühchen
Mian und Nouri erhielten die ersten Tage gespendete Muttermilch und danach erhielten sie von mir abgepumpte Muttermilch. Da ich leider nicht genügend Milch abpumpen konnte, und die Milchportionen immer grösser wurden, erhielten sie eine Zeit lang zu meiner Muttermilch zusätzlich gespendete Muttermilch. Später reichte meine Milch nicht mehr aus weshalb sie noch auf der Neo Aptamil Pre erhielten. Zuhause hatten wir dann ebenfalls Aptamil Pre. Nach ca. 6 Monaten haben wir zur Folgemilch langsam mit Beikost gestartet.
Zeit nach der Neonatologie
Die erste Zeit zu Hause war für uns alle sehr speziell. Aufgrund von Corona durften wir auf der Neo keine Familienangehörigen empfangen. Mit Blick auf den ersten Winter waren wir auch zu Hause sehr vorsichtig mit Besuch, da wir Nouri und Mian vor Infekten schützen wollten. Deshalb konnten wir einige Familienmitglieder erst nach mehreren Wochen zu Hause empfangen. Nouri hatte grundsätzlich keine Beschwerden und hat auch die Antibiotikaprophilaxe aufgrund seines Blasenrefluxes gut vertragen. Mian musste sich öfters während oder nach dem Schoppen im Schwall übergeben, da er einen etwas sensiblen Gaumen hatte. Aber ansonsten hatte auch er keine Beschwerden. Die Kita besuchen Mian und Nouri seitdem sie acht Monate alt sind. Es lief von Anfang an sehr gut und sie gehen beide sehr gerne in die Kita.
Tipps für Frühcheneltern
Die Zeit auf der Neo kann teilweise sehr belastend sein. Deshalb wäre mein Tipp für Frühcheneltern immer sehr offen und ehrlich miteinander zu sprechen und Bedenken, Ängste und Unklarheiten immer direkt anzusprechen – sei es beim Pflegepersonal oder auch untereinander als Eltern. Zudem ist es sehr wichtig, auch Hilfe von aussen anzunehmen. Da man viel Zeit auf der Neo verbringt, können andere Aufgaben schnell liegen bleiben (Haushalt, Wäsche, Kochen etc.). Wir haben gelernt, dass Angehörige gerne helfen und ihren Teil dazu beitragen möchten, die Situation einigermassen erträglich zu machen. Deshalb wäre mein Tipp, Hilfe anzunehmen und auch aktiv einzufordern. Für Mütter, die selbst nicht stillen können oder zu wenig Milch haben (aus welchen Gründen auch immer) möchte ich auf den Weg geben, dass sie sich nicht zu sehr unter Druck setzten lassen was das Thema Stillen/Muttermilch angeht. Man ist als Mutter nicht weniger Wert, wenn es nicht sofort oder gar nicht klappt und die Liebe zu den Kindern wird dadurch nicht weniger. Mir persönlich konnte die Stillberatung vom Frauenspital diesbezüglich sehr weiterhelfen und hatte auch immer ein offenes Ohr für meine Gedanken.
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Unsere Peereltern waren selbst mit ihren Kindern auf der Neonatologie. Sie hören zu, teilen ihre Erfahrungen und begleiten Familien durch die Zeit auf der Station und danach.


